Gipfelstürmer

gipfel

Ein beeindruckender Ort erwartet einen, wenn man sich dafür entscheidet, den Gipfel zu „erstürmen“. Nachdem ich mal wieder etwas den beschwerlicheren Weg gewählt hatte (Wege genutzt, die gar keine waren), stand ich dann endlich auf dem Gipfel.

Gipfelstürmer
TIPP:

Es können auf jeden Fall Wanderwege bis nach oben genutzt werden. Dadurch werden es zwar ein paar Meter mehr, aber es ist eine super Wanderung durch ein schönes Gebiet.

Naturschutzgebiet Nr. 5 – Haberstein

Im Herzen des Fichtelgebirges, in unmittelbarer Nähe seiner höchsten Erhebung, liegt das Felsenmeer des Habersteins. Das Naturschutzgebiet hat eine Ausdehnung von 12,9 ha. Es ist von Bischofsgrün aus leicht zu erreichen. Wenn man über die Heilstätte zum Schneeberg emporsteigt, so zweigt dort, wo der Weg scharf östlich abbiegt, um den letzten Steilanstieg zu überwinden, westlich ein Pfad zum Haberstein ab. Viele Wanderer beachten die Hinweistafel kaum, da sie zum Schneeberg weitereilen und bringen sich so um ein Erlebnis, dass jedem naturnahen Menschen unvergesslich bleibt. Man durchschreitet zunächst eine ganz kurze Strecke, kaum 200 m, schönen Hochwald. Plötzlich lichtet sich dieser.
Nur einige wetterzerzauste Fichten tasten mit ihren durch den spät schmelzenden Schnee auf den Boden gedrückten Ästen zaghaft hinaus auf das gewaltige Blockmeer, das sich vor den Blicken des erstaunten Beschauers ausbreitet. Riesige Felsblöcke, mit zahllosen Flechten behangen und an manchen Stellen mit Moos bedeckt, liegen altersgrau wirr durcheinander. Bei näherem Zusehen bemerken wir zwischen den Klüften ein seltenes Pflänzchen zum Licht empordringen. Es sind die Zweige des geschützten Tannenbärlapps (Lycopodium selago L.). Dunkle Fichten stehen ernst und still an den Rändern der Steinwüste. über sie hinweg schweift unser Blick hinaus zum Ochsenkopf und zu den vielen sanftgeschwungenen waldbedeckten Höhen der Mittelgebirgslandschaft.
Zu abenteuerlichen Gestalten hat die Zeit einzelne Blöcke geformt. Wer beim scheidenden Licht das Felsenmeer überquert oder vom Nebel überrascht wird, wundert sich nicht mehr über die viele Sagen und Geschichten, die man im Fichtelgebirge von Helden und Kobolden zu erzählen weiß. Zwei eigenartige Verwitterungsformen des Granits treten besonders hervor: die Wollsackverwitterung und die Martratzenverwitterung. Nur zu leicht vermutet man, dass das Trümmerfeld der Felsen durch eine schreckliche Naturkatastrophe entstanden sei. Kein Geringerer als Goethe hat mit aller Entschiedenheit diesen Gedanken von sich gewiesen. In einer Unterhaltung mit Eckermann sagt er:
Jedes Gewaltsame und Sprunghafte ist mir in der Seele zuwider; denn es ist nicht naturgemäß…
Naturgemäß ist vielmehr ein Wirken nach den Grundsätzen der Stetigkeit

Auch Goethe besuchte einst die Felsenmeere des Fichtelgebirges und war am 29. Juni 1785 auf dem Haberstein. Es ist, als hörten wir noch heute seine Worte, die er auf dem Granitgipfel, an den sich westlich das Blockmeer anschließt, aussprach:
Hier ruhst Du unmittelbar auf einem Grunde, der bis zu den tiefsten Orten der Erde hinreicht; keine neuere Schicht, keine aufgehäuften, zusammen geschwemmten Trümmer haben sich zwischen Dich und den festen Boden der Urwelt gelegt; Du gehst nicht, wie in jenen fruchtbaren Tälern über ein anhaltendes Grab; diese Gipfel haben nichts Lebend iges erzeugt und nichts Lebendiges verschlungen, sie sind vor allem Leben und über alles Leben.

Bis zu 914 m Höhe steigen die Granitmassen des Habersteins am Südwesthang des Schneeberges empor. Wenn wir vom höchsten Punkt aus nach Süden am Ostrand des Trümmerfeldes entlang wandern, so sperrt uns bald eine Granitmauer den Weg. Ihre himmelstürmende Wucht hat vielleicht zur Namengebung beigetragen, da man Haberstein mit hoher Stein deutet. Jenseits der Felswand dehnt sich ein zweites, kleineres Blockmeer aus, das noch weiter ins Tal des jungen Weißen Mains hinunterreicht.
Der Haberstein am Südwesthang des Schneeberges ist nicht zu verwechseln mit einer ebenfalls mächtigen Felsgruppe gleichen Namens zwischen dem Granitstock der Luisenburg und dem der Kösseine. Der Haberstein an der Südwestecke der Luisenburg, unweit Trüstau, wird häufiger besucht als sein Namensvetter am Schneeberg, obwohl dieser das steinerne Meer der Platte an Ausdehnung und Unberührtheit übertrifft.

27. 9. 1950
Der Regierungsbeauftragte für Naturschutz in Oberfranken
K. Kronberger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.